Das Display flackerte.
Eigentlich eine Kleinigkeit. E-Ink-Displays machen das bei jedem Neuaufbau: Sie blitzen kurz durch alle Farben, bevor das neue Bild stehen bleibt. Aber dieses Flackern kam von Code, den ich selbst geschrieben hatte, gesendet von meinem iPhone in die Rückseite einer Handyhülle, die keinen Akku hat. Ein paar Sekunden später war das ganze Display rot, ein gleichmäßiges, leicht papierartiges Rot. Sonst nichts. Einfach rot.
Ich habe über die Jahre viele NFC-Funktionen gebaut, und dieses schlichte rote Rechteck gehört zu meinen liebsten Momenten überhaupt.
Ein Display ohne Akku
Falls du so eine Hülle noch nie gesehen hast: Sie sieht aus wie eine ganz normale Handyhülle, nur dass ein großer Teil der Rückseite ein E-Ink-Display ist, also dieselbe Art Bildschirm, die auch in E-Readern steckt. Meine zeichnet mit vier Farben: Schwarz, Weiß, Rot und Gelb.
Einen Akku gibt es nicht, einen Ladeanschluss auch nicht. Die Hülle bezieht ihren Strom aus dem NFC-Feld deines Handys, demselben Feld, das auch einen NFC-Sticker aufweckt, wenn du ihn scannst. Solange das Handy an der Hülle anliegt, versorgt es einen kleinen Chip und einen Mikrocontroller mit Energie, und die bauen das Display neu auf. Steht das Bild erst einmal, braucht E-Ink überhaupt keinen Strom mehr, um es zu halten. Es bleibt einfach da, auch wenn der Handyakku leer ist oder die Hülle in der Schublade liegt.
Ich stelle mir das wie eine Zaubertafel aus Kindertagen vor, die nur dein Handy löschen und neu bemalen kann. Bis du das Handy wieder dranhältst, ändert sich nichts.
Diese Hüllen werden unter vielen Namen verkauft, und fast jede Marke hat ihre eigene App. Zu meiner gehörte eine namens DeerPhoneCase. Zu den anderen komme ich weiter unten.
Warum mir die offizielle App nicht gereicht hat
Ich habe einen ganzen Haufen der Hersteller-Apps mit meiner Hülle ausprobiert, und viele davon funktionieren. Aber alle fühlen sich richtig schlecht an. Es sind keine nativen iPhone-Apps, für das meiste musst du dich erst anmelden, und am Ende wollen sie eigentlich nur ein Bild anzeigen.
Als ich mir das Display auf der Rückseite meines Handys angesehen habe, sah ich keinen Bilderrahmen. Ich sah ein kleines Display, das immer an ist und keinen Akku kostet. Der perfekte Platz für meinen nächsten Termin, die Termine des Tages oder einen QR-Code, den jemand direkt von der Rückseite meines Handys scannen kann. Nichts davon konnte die offizielle App, und ich entwickle eine App, bei der sich alles um NFC dreht. Also habe ich beschlossen, NFC.cool selbst beizubringen, mit der Hülle zu sprechen.
Der Hülle auf den Zahn gefühlt
Das habe ich zusammen mit Claude gemacht, dem KI-Modell von Anthropic, das sich beim Durchforsten von dekompiliertem Code als erstaunlich geduldiger Partner herausgestellt hat.
Die erste Idee lag auf der Hand: nachsehen, wie die offizielle iPhone-App mit der Hülle spricht. Das führte ins Leere. Apps aus dem App Store sind verschlüsselt, da gab es nichts Brauchbares zu lesen.
Bei der Android-Version sah das ganz anders aus. Die Hülle ist ein White-Label-Produkt, deshalb gibt es die App desselben Herstellers unter eigenem Namen auch bei Google Play, und Android-Apps lassen sich dekompilieren. Wir haben sie auseinandergenommen, und aus diesem Code und dem, was wir online über den Chip im Inneren fanden (ein NFC-Chip von Fudan mit einem Mikrocontroller dahinter), ergab sich das komplette Zwiegespräch zwischen Handy und Hülle:
Handy und Hülle führen zuerst einen kurzen Login-Handshake durch, damit die Hülle weiß, dass eine echte App mit ihr spricht.
Danach ist jeder Befehl verschlüsselt.
Das Bild wird in 139 Paketen mit rohen Pixeldaten übertragen. Jedes Pixel belegt zwei Bit, und das reicht genau für vier Farben.
Das Handy weist die Hülle an, das Display neu aufzubauen, und fragt dann jede Sekunde nach, ob sie fertig ist.
Mein erster Test schrieb nichts Raffiniertes, nur eine einzige Farbe über das ganze Display. Das war das rote Rechteck.
Die 20-Sekunden-Hürde
Dann habe ich es mit echten Bildern versucht, und die kamen kaputt an. Streifen quer übers Display, falsche Farben, ein halbes Foto.
Der Neuaufbau dauert etwa 18 Sekunden, und die Verbindung brach jedes Mal ziemlich genau bei 20 Sekunden ab. Claude war überzeugt, dass iOS jede NFC-Sitzung nach 20 Sekunden einfach beendet und wir daran nichts ändern können. Das habe ich nicht geglaubt, denn die offizielle App hat es auf genau demselben iPhone geschafft.
Also habe ich mein iPhone an den Mac angeschlossen und das Systemprotokoll mitgeschnitten, während die offizielle App ein Bild übertrug. Darin zeigte sich der Trick: iOS begrenzt jede einzelne Verbindung zu einem Tag auf etwa 20 Sekunden, nicht die ganze Sitzung. Direkt nachdem die offizielle App das Bild gesendet hat, trennt sie die Verbindung, baut sie etwa eine Zehntelsekunde später wieder auf und lässt die Hülle das Bild dann über diese frische Verbindung zeichnen, mit vollen 20 Sekunden Luft.
Seit NFC.cool es genauso macht, kommen die Bilder sauber an. Ich gebe zu: Dass ich da recht hatte, hat mich schon ein bisschen gefreut.
Was NFC.cool auf deine Hülle bringt
Die Funktion steckt in NFC.cool Tools 7.2.0 unter NFC-Apps und heißt E-Ink-Hülle. Du wählst ein Motiv, siehst in einer Vorschau genau, wie die Hülle es darstellen wird, nimmst die Hülle vom Handy und hältst dein iPhone an ihre Rückseite, bis sich das NFC-Fenster schließt.
Foto: ein beliebiges Bild aus deiner Mediathek, passend aufs Display zugeschnitten. Dieses Motiv ist kostenlos. Die App rechnet dein Foto in die vier Farben um, mit Farbverstärkung (Standard, Kräftig oder Max.) und einer Option für Schwarz-Weiß.
Freisteller: holt die Person, das Haustier oder den Gegenstand aus einem Foto heraus und setzt das Ergebnis auf einen Hintergrund in einer der vier Farben.
QR-Code: jeder QR-Code, den du in NFC.cool gespeichert hast, in seinem eigenen Design, oder einer, den du selbst eingibst. Du kannst ihn invertieren, und die App warnt dich, wenn der Text so lang ist, dass der Code auf dem kleinen Display nicht mehr gut lesbar wäre.
Nächster Termin oder ein ausgewählter Termin aus deinem Kalender.
Heutige Termine: alles, was heute in deinem Kalender steht.
Erinnerungen: die offenen Erinnerungen aus einer deiner Listen, in drei Schriftgrößen.
Die Kalender- und Erinnerungsmotive sind Momentaufnahmen. Die Hülle zeigt, was beim Übertragen aktuell war, bis du das nächste Motiv aufspielst. Ohne dein Handy kann sie sich nicht selbst aktualisieren, und das ist der Preis dafür, dass sie nie ein Ladegerät braucht.
Gut zu wissen
Gönn der Hülle zwischendurch eine Pause. Spielst du zwei Motive direkt nacheinander auf, wirkt das zweite blass und grau. Die Hülle braucht zwischen zwei Neuaufbauten einen Moment, um sich zu erholen. Die offizielle App bittet dich, eine Minute zu warten, und das ist auch bei NFC.cool ein guter Rat.
Stillhalten. Das Ganze dauert einen Moment, und den größten Teil davon braucht der Neuaufbau selbst. Nimmst du das Handy zu früh weg, sagt dir die App Bescheid, und du versuchst es einfach noch einmal.
Vorerst nur auf dem iPhone. Die Funktion gibt es in der iPhone-App. Die Android-App hat sie noch nicht.
Welche Hüllen funktionieren. Die meisten dieser Hüllen stammen von einem einzigen Entwickler, der für fast jede Marke eine eigene App veröffentlicht. Ich habe alle, die ich finden konnte, mit meiner Hülle ausprobiert:
DeerPhoneCase, KAZAVA, Novixand und TYOHINN funktionieren mit meiner Hülle, und NFC.cool funktioniert mit ihr auch. Gehört zu deiner Hülle eine dieser Apps, sollte NFC.cool damit funktionieren.
Bestie e-INK und KINGZER funktionieren mit meiner nicht. Das Bild kommt per NFC problemlos an, aber wenn sich das Display neu aufbauen sollte, passiert nichts.
SpaceInk+ von einem anderen Entwickler funktioniert mit meiner Hülle gar nicht. Die App meldet nur „device channel information mismatch“.
Das heißt nicht, dass NFC.cool mit Hüllen für Bestie e-INK, KINGZER oder SpaceInk+ nicht klarkommt. Das sind vielleicht einfach etwas andere Hüllen als meine, und testen kann ich sie nicht. Wenn du eine hast, sag mir bitte Bescheid, ob NFC.cool damit funktioniert oder nicht. Braucht deine eine andere App, sagt dir NFC.cool, dass sie noch nicht unterstützt wird, und bietet dir die Taste Hüllendaten senden an. Damit gehen die technischen Daten des Chips an mich, nichts, was dich oder deine Hülle identifiziert. So sehe ich, welche Hüllen die Leute tatsächlich haben, und kann sie nach und nach unterstützen.
Wo du eine bekommst. Bei Amazon laufen diese Hüllen unter vielen Markennamen, manche davon ziemlich kryptisch, aber dahinter stecken dieselben Hüllen. Hier ist eine Suche danach bei Amazon (Affiliate-Link). Auf der Innenseite meiner Hülle steht DIY, und manche Angebote haben DIY im Titel, danach kannst du also gut Ausschau halten. Nennt ein Angebot die App, mit der die Hülle arbeitet, achte auf DeerPhoneCase, KAZAVA, Novixand oder TYOHINN.
Fazit
Falls bei dir so eine Hülle herumliegt, die immer noch dasselbe Bild zeigt wie am ersten Tag, gib ihr etwas Sinnvolleres zu tun. NFC.cool Tools gibt es im App Store.
Und falls du noch nie gesehen hast, wie sich ein Bild, das du selbst geschickt hast, flackernd auf einem E-Ink-Display aufbaut: Ich kann es nur empfehlen. Das sind ein paar sehr befriedigende Sekunden.